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Wenn
ein Traum in Erfüllung geht - Distanzritt Fehraltorf 2009
Um 4.45 Uhr
klingelte der Wecker. Schnell war ich auf und angezogen und unterwegs in
den Stall. Die Stallbesitzer hatten den Pferden bereits Heu gegeben,
somit hatte Natan schon was im Magen, als ich ihn aus der Box holte. Er
trank sogar noch an der Tränke, was er sonst eher selten macht. Kurz
nach 5.30 Uhr fuhren Sibylle und ich mit Natan nach Fehraltorf. Früh an
unserem Ziel angekommen liess Sibylle Natan noch etwas fressen, während
ich die Infowand studierte und meine Startnummer und die Checkkarte
abholte. Meine Nervosität hatte ihren Höhepunkt erreicht, als ich kurz
vor 8 Uhr aufsass und Natan im Schritt warm ritt. Würden wir es
schaffen, die 81 Kilometer?
Um 8.15 Uhr
starteten wir zu sechst auf die ersten 30 Kilometer. Vier Reiter setzten
sich gleich ab, ich hielt Natan jedoch zurück. Glücklicherweise ritt
Tanja B. mit ihrem Hengst Faraon ein ähnliches Tempo und somit
bewältigten wir die erste Schlaufe zusammen. Nach 2 Stunden 2 Minuten
und 24 Sekunden (das sind fast 15 km/h!) ritten Natan und ich, eine
Nasenlänge vor Tanja, über die Linie. Nun hiess es schnell kühlen und ab
ins Vet-Gate. Natan’s Vet-In Zeit war super und so konnten wir nach
wenigen Minuten bereits los. Da es vom Groomarea zum Vet-In noch einen
Umweg um das ganze Hallenareal gab, war unsere Vet-In Zeit gerade mal
etwas mehr als sechs Minuten. Wir kamen als vierte ins Vet-Gate. Natan
hatte zugleich einen Puls von 54 und die Gänge waren super. Juhee, es
geht weiter! Da die Reitzeit erst bei Ankunft im Vet-Gate gestoppt wird,
hatten wir für die erste Schlaufe ein Tempo von 13.99 km/h.
Nach 40 Minuten
Pause ritten wir wieder zum Start. Dort wartete bereits Daniela mit
Nelson (EVG2, 51km). Wir hatten abgemacht, die 51 Kilometer gemeinsam zu
reiten. Daniela startete um 11:03 Uhr und ich 40 Sekunden später. Wir
holten die beiden schnell auf und dann ging es im flotten Trab weiter.
Es wurde langsam Mittagszeit und die Temperaturen stiegen gegen 27 Grad.
Es war einfach erdrückend. Natan hatte bis jetzt an jedem einzelnen
Groompoint grosszügig getrunken. Etwas, was er in seiner ganzen
Distanzpferdkarriere noch nie gemacht hatte!
Rund vier Kilometer
vor dem Ziel hatten wir regen Gegenverkehr. Als ich für ein
entgegenkommendes Reiterpaar platz machen wollte, streifte ich mit
meinen Knien einen Brennnesselstrauch, was durch die dünnen Reithosen
sehr gut zu spüren war…
Nach 2 Stunden 17
Minuten und 8 Sekunden waren wir wieder im Ziel. Dieses Mal brauchten
wir etwas länger um die Pulse der beiden Pferde runter zu bringen.
Dennoch waren wir bereits nach 7 Minuten und 42 Sekunden wieder beim
Vet. Im Vergleich zu den anderen Prüfungen waren dies sehr schnelle
Vet-In Zeiten. Natan hatte einen Puls von 59 und die Gänge waren
weiterhin ohne Befund. Während der Pause schmierte ich die brennenden
Stellen an meinen Beinen mit Salbe ein und ruhte im Schatten mit viel
Wasser. Diese Schlaufe hatte mir sehr zugesetzt. Diese Schlaufe hatten
wir in einem Tempo von 12.43 km/h gemeistert.
Da das Wetter sehr
anstrengend war, hatten die Tierärzte für den EVG4 und den CEN* einen
Re-Check nach 60 Kilometer angeordnet. Sprich, kurz vor dem Start auf
die letzte Schlaufe musste man das Pferd nochmals kurz beim Tierarzt
vorzeigen.
Sibylle zeigte Natan
beim Re-Check vor. Der Puls war bei 48 und die Gänge waren wie gewohnt
auch zu diesem Zeitpunkt ohne Befund.
Daniela und ich
starteten also auf die letzten 21 Kilometer. Damit Daniela nicht aus dem
EVG2 disqualifiziert wurde, mussten wir um 16 Uhr zurück sein. Die
letzte Ankunftszeit für den EVG4 war um 16.20 Uhr angesetzt. Wir ritten
die letzte Schlaufe gemütlich, damit unsere Pferde die Kräfte noch etwas
sparen konnten. Natan mochte nicht mehr so schnell laufen und vielfach
fiel er etwas zurück und liess sich von Nelson ziehen. Rund einen
Kilometer vor dem Ziel wurde mir klar, dass ich beim Beginn unserer
Distanzkarriere nie im Leben daran gedacht hätte, dass Natan und ich
jemals so weit kommen würden. Die ersten Tränen der Freude kullerten an
mir herunter. Aber es galt noch die Schlusskontrolle zu überstehen. Den
Zieleinlauf auf der Wiese nahmen wir genau so gemütlich wie der Rest der
letzten Schlaufe. Im Schritt und Hand in Hand ritten wir um 15.55 Uhr
strahlend über die Ziellinie. Diese Schlaufe hatten wir mit 11.80 km/h
geritten.
Nach 14 Minuten
entschieden wir uns, die Pferde den Veterinären zu zeigen. Natan’s Puls
war 51, die Gänge waren einwandfrei und dann pulste der Tierarzt erneut
um den Recovery-Index herauszufinden. Der Puls war dann 50. Natan war
also ohne Zweifel fit. Neben an hörte ich Daniela aufjuchzen, sie waren
also durch gekommen. „Unser“ Tierarzt nahm sich viel Zeit, Natan zu
untersuchen. Meine Nervosität war genau so hoch, wie vor dem Start.
Endlich, drehte er sich zu mir um und sagte, dass alles gut sei. Dann
kam ein Freudeschrei von mir und ich fiel Sibylle um den Hals. Mir
liefen die Freudentränen hinunter, als ich meine Arme um Natan’s Hals
schwang und ihm lautstark sagte, dass er einfach der Beste sei.
Draussen gab es noch
weitere Knuddelein von Groom Claudia und natürlich von Daniela. Dank ihr
und Nelson war Natan dazu motiviert noch eine dritte Schlaufe zu
laufen!
Das
Durchschnittstempo auf 81 Kilometer war 12.78 km/h.
Später an diesem Tag
fand dann auch noch die Rangverkündigung statt. Ich wusste, dass eine
Reiterin zurückgezogen und eine weitere Reiterin nach mir ins Ziel
gekommen war. Wie es den anderen ergangen war, wusste ich zu dem
Zeitpunkt nicht. Mir war eigentlich egal, was es für einen Rang geben
würde, aber dennoch dachte ich dann an den „undankbaren“ vierten Rang.
Gewonnen hatte Tanja mit Faraon. Zweite wurde eine der Reiterinnen, die
sich gleich zu beginn abgesetzt hatten. Als dann der dritte Rang
aufgerufen wurde, konnte ich meinen Ohren nicht trauen. Sie hatten
tatsächlich meinen Namen aufgerufen? Mit dem grössten Lächeln holte ich
unsere Plakette ab und war überglücklich.
Mein Fribi trägt
mich über 81 Kilometer, zur Lizenz und dann gleich noch aufs Podest.
Natan, du bisch eifach dä Bescht!!
Natürlich auch
ein herzliches Dankeschön an meine Grooms Sibylle (Mami) und Claudia,
sowie Daniela und Nelson und ihrem Groom Rahel! Und natürlich auch an
Alex, die mir mit ihrem Fribi Asterix gezeigt hat, dass man so vieles
erreichen kann, wenn man daran glaubt. Nicht zu vergessen, ein grosses
Merci an unseren Hufschmied sowie an die Stallbesitzer, welche Natan und
mir einfach einen super Stall bieten.

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