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Altstadt GP Bern, 14. Mai 2011

Am Freitagabend fuhr ich bereits nach Bern um meine Startnummer entgegen zu nehmen. Ich würde im letzten Block (Block 13) des Altstadt GP (4.7km) um 14.38 Uhr starten. Ein Kollege, welcher in der
Agglomeration Bern wohnt, hat mir angeboten bei ihm zu übernachten. Perfekt! Somit konnte ich gemütlich meine Startnummer abholen und konnte so auf das grosse Gedränge am Samstag verzichten.

Am Samstag konnte ich gemütlich ausschlafen, da wir erst um 12.30 Uhr auf den Bus mussten. Kurz nach
13 Uhr waren wir auf dem Gelände der Bern Expo auf welchem sich schon viele Leute tummelten. Huiii, da wurde ich doch gerade mal ein bisschen nervös!

Ich begann erst im Januar mit joggen und war bis zur Hauptprobe am Mittwoch noch nie 4.7km am Stück gelaufen. Am Mittwoch war es heiss und staubig. Die Trainingsstrecke war sehr flach und ich lief sie in etwas mehr als 37 Minuten. Ich zweifelte also daran, dass ich die ziemlich anstrengende und hügelige Strecke in
Bern in meinen gewünschten 40 Minuten joggen könnte. Ich schraubte also im Vorfeld meine Erwartungen runter auf 43 Minuten.

Kurz nach 14 Uhr wurden die Läufer aufgeboten sich bei ihrem Block zu versammeln, da ab 14.20 Uhr alle 90 Sekunden der nächste Block loslaufen darf. Ich gab also meine Jacke und meinen Pullover ab und verabschiedete mich von meinem Kollegen. Es gab schon den ganzen Vormittag dunkle Wolken über Bern, aber das Wetter versprach zu halten. Es war nicht warm, aber auch nicht kalt. Irgendwie angenehm. Während ich also innerhalb von meinem Block mich aufwärmte und der erste Block gestartet war kam es dann doch anders: ein kalter Wind kam auf und der Himmel öffnete seine Pforten und es begann zu regnen… Bis unser Startblock beim Start war, waren alle Teilnehmer bereits bis auf die Unterwäsche nass, halbwegs durchgefroren und die Schuhe waren sowieso schon längst nicht mehr dicht. Iiiiik, sag ich da nur!

Und endlich hiess es: fünf, vier, drei, zwei, eins, LOS! Der Pulk mit mehreren hundert Läufern bewegte sich langsam die Papiermühlestrasse entlang und dann den Aargauerstalden hinunter. Da zog sich das Feld
bereits etwas in die Länge. Ich hatte mich entschieden beim herunter joggen etwas mehr Tempo als normal
zu machen – was sich auf der klatschnassen und rutschigen Teerstrasse als nicht ganz so einfach erwies. Vorsicht war also geboten. Unten angekommen überholte ich bereits die ersten Teilnehmer welche nicht mehr joggen mochten und nun gemütlich dahin gingen. Von da ging es über die Nydeggbrücke in die Altstadt. Kurz vor der Zwei-Kilometer-Marke musste ich kurz aufhören zu joggen und ein bisschen gehen.
Aber nicht lange, schliesslich war mein Ehrgeiz viel zu gross und die Aufmunterung von Passanten war sehr animierend. Einigen Teilnehmern aus unserem Block ging es ähnlich wie mir und so überholte ich eine grosse Anzahl an Läufern kurz vor der „Zytglogge“ – dem Wendepunkt. Nun ging es wieder in Richtung Nydeggbrücke und somit auch zum Aargauerstalden. Logisch – was ich runter renne, muss ich wieder hoch rennen. Davor hat es mir am meisten gegraut. Aber ich war erstaunt, wie gut ich die grosse Steigung hinter mich brachte. Zwar nicht alles joggend, aber vieles. Unterwegs gab es mehrere Bands und Musikgruppen welche uns mit verschiedenen Sounds begleiteten – das war einfach super toll!

Kurz vor der Vier-Kilometer-Marke verspürte ich plötzlich ein Stechen – kein Seitenstechen, aber sonst was Komisches auf der rechten Seite im Brustkorb. Also war wieder reduziertes Tempo angesagt. Als ich dann an der Marke vorbei ging, war dann mein Ehrgeiz dies nun durchzuziehen grösser und ich begann wieder zu joggen. Das Stechen verschwand nach rund 40 Metern wieder. Diese 700 Meter bis zum Ziel schienen ewig. 150 Meter vor dem Ziel wurde ich durch das Rufen vieler Passanten und Zuschauern animiert, das nun durchzuziehen und zügig weiter zu joggen. Keine Ahnung was in mich gefahren war, aber ich legte dann
kurz vor dem Ziel tatsächlich noch einen Endspurt in einem Tempo von 21km/h hin! (ja, ich staunte ziemlich über mich selber – auch, dass ich überhaupt noch fähig war einen Endspurt hinzulegen!). Ich rannte über
die Ziellinie und blickte auf mein GPS – 34min 04s. Ich musste zwei Mal hinschauen! Ich war überwältigt, glücklich und einfach nur stolz darauf, dass ich es durchgezogen habe. Ich könnte heulen vor Freude – ein solches Erfolgserlebnis hat’s jetzt einfach gebraucht!

Fazit: es war mein erster Lauf – aber ganz bestimmt nicht mein Letzter! Das Rennfieber hat mich gepackt ;-)

Nächster Lauf: Frauenlauf in Bern am 19. Juni 2011.


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