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Unsere TREC Premiere – TREC Frienisberg BE, 29. August 2010

Nach langem Hin und Her entschloss ich mich diesen Sommer unseren ersten TREC zu melden. Da es nur sehr wenige TREC in der Deutschschweiz gibt, entschieden wir uns für den TREC in Frienisberg BE. Geplant war, dass wir Daniela und Nelson begleiten – und da die beiden bereits zwei TREC gemacht haben, haben wir uns in der Serie 2 angemeldet.

Am 29. August war es dann soweit. Morgens um 5 Uhr haben wir Natan verladen und haben die zweistündige Fahrt auf uns genommen. In Frienisberg angekommen erlebte ich bereits einen Schock: Wir mussten zwischen zwei Sauställen parkieren. Natan hat absolut keine Freude an Schweinen.

Nach dem Frühstück wurde gesattelt und zum ersten Mal unsere Packtasche bepackt. Ich war total nervös – einerseits weil ich Angst hatte dass Natan jeden Moment ein Theater starten würde wegen den Schweinen und andererseits weil wir bereits etwas spät dran waren. Wie wichtig eine korrekt bepackte Satteltasche ist, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst…

Um 8.35 Uhr stürmten Daniela und ich den Kartensaal (wobei der Saal nicht in einem Saal war sondern an der frischen Luft) ;-) Die Karte war schnell übertragen, alle 500m ein Strichlein gemacht und die „Aufgaben“ gelesen. Wir hatten vier Aufgaben zu lösen, wo sich auf der Karte sogenannte „Clips“ befinden, welche wir zu finden hatten. Diese Aufgaben beinhalteten Angaben zur Verwendung eines Kompasses (haha, ich hatte zwar einen dabei, konnte aber nur begrenzt damit umgehen…). Dann hiess es „LOS!“ und wir sprangen auf unsere Pferde und wollten los – aber, wie schnell müssen wir jetzt reiten? Also nochmals zurück zum Kartensaal. Wir wollten gerade los, als wir gestoppt wurden. Man hätte unsere Pferde noch nicht gemessen. Also wurde gemessen (wieso man dies nicht VOR dem Kartensaal machen konnte war mir ein Rätsel). Dann ging’s los. 10 Meter – da wurden wir erneut gestoppt. Anscheinend hat sich ein Teil einer Route geändert, weil ein Anwohner reklamiert hat. Natan fand das ewig „hüü“ und „hooo“ gar nicht lustig und äusserte seinen Unmut mit übermässigem stampfen, Kopf schütteln und umher tänzeln (abgesehen vom starken Gerucht der Schweinen, der dann gerade vorbei zog). Endlich konnten wir dann los und hatten bereits viel wertvolle Zeit verloren.

Die Strecke war sehr schön gewählt, die Wege waren toll und luden zu schnellerem Tempo ein – welches wir jedoch nicht machen konnten, da wir sonst zu schnell unterwegs gewesen wären. Nach einem Teil der Strecke, an einem Kontrollposten, haben wir dann herausgefunden, dass wir unterwegs einen falschen Weg genommen hatten und somit einen Kontrollposten verpasst hatten. Aber wir waren nicht die Einzigen. Unterwegs gab es dann einen Kontrollposten mit den ersten paar PTV Posten: Durch Wasser reiten, den Berg aufreiten, durch eine Doline reiten, Bergab führen. Ganz souverän stieg Natan in das Bächli – hielt an und trank einen Schluck. Schliesslich hat er als Distanzpferd gelernt, dass man bei jeder Wassergelegenheit zu trinken hat. Ich wollte ihn schnell weiter treiben, damit es keinen Abzug gab, aber war zu spät. Wir erhielten Abzug fürs Anhalten und Abzug für meine etwas überreagierte Hilfen. Bergauf, Doline und Bergab ging alles ganz gut und Natan zeigte sich von seiner besten Seite.

Nach diesen Aufgaben kriegten wir eine neue Startzeit – wir wussten dass wir von da an 40 Minuten Zeit hatten, die Clips (von den Aufgaben) zu finden und beim vierten Clip einzutreffen. Jede Minute die wir später als 40 Minuten da ankommen würden, würde uns Strafpunkte einbringen. Den ersten Clip fanden wir nicht, da wir schlichtweg am falschen Ort suchten. Den zweiten und dritten fanden wir dann jedoch wieder. Im zügigen Galopp ging es zum vierten Clip – den erreichten wir dann auch innerhalb unserer 40 Minuten. Von da an ging es dann Richtung Ziel.

Um 13.30 Uhr hatten wir Startschuss zum PTV. Daniela und Nelson starteten 3 Minuten vor uns und Natan wurde ganz nervös. Schliesslich liebt er den kleinen Nelson – klebendes Pferd ahoi… Der erste Posten war eine enge Gasse – welche wir im Galopp nahmen (er hatte keine Zeit die leuchtenden Begrenzungen am Boden anzustarren, schliesslich peilte er Nelson an). Dann ging es im Trab (ziemlich rassig…) durch ein Slalom. Dann galt es ein Tor zu öffnen, durch zu reiten und wieder zu schliessen – ohne los zu lassen. Wer Natan kennt wird jetzt schmunzeln. Auch an diesem Turnier hat er wieder einmal seinen alten Trick angewendet: wenn die Reiterin das Tor einmal hat, dann läuft man rückwärts bis sie los lassen muss. Danach kamen die „tief hängenden Äste“. Wir gingen aufs Ganze und ritten diese im Galopp an (Angriff ist die beste Taktik) – naja, wir fielen dann in den Trab und die meisten der „Äste“ kamen dann gleich mit (ich konnte mich vor lauter lachen fast nicht halten). Dann wurde abgestiegen und Natan in einen Transporter geführt. Er war total verwirrt, weshalb ich neben ihm her ging. Normalerweise werfe ich den Strick über den Hals und sage „steig ein“ – hier musste ich jedoch mit ihm zusammen einsteigen. Er blieb einen Moment stehen, ging dann jedoch gleich weiter. Abzug gab es trotzdem. Der nächste Posten war das Aufsteigen. Ich erklärte den Richtern, dass ich diesen Posten auslassen werde und nutzte dann den Anhänger als Aufsteighilfe. Posten 11 war das „stillstehen“. Da Natan nur „sein“ Pony sah, war gar nichts mit stillstehen ;-) Als nächstes war ein Engpass oder Labyrinth angesagt. Einmal touchierten wir eine Stange und sie fiel – aber sonst hat er ganz gut aufgepasst. Danach mussten wir Rückwärtstreten. Beim Warmreiten ging das super – nun wollte Natan aber gar nichts mehr davon wissen (0 Punkte). Dann mussten wir wieder absteigen und mit dem Pferd an der Hand über einen Baumstamm springen. Schön brav trabte Natan neben mir her und sprang – und schlug seine Beine an (40cm Baumstamm und er hebt seine Füsse nicht…. Tztz…) was wieder Abzug gab. Dann wieder aufsteigen *ächtz* und über eine Brücke reiten. Dies war total easy für Natan und er ging ruhig und gelassen drüber. Dann mit viel Anlauf sprangen wir den Schlusssprung über die Heuballen und ab ins Ziel.

Die Siegerehrung war auf 17 Uhr angesetzt und somit banden wir Natan und Nelson zusammen an den Anhänger (weit weg von den Säuli) und liessen sie Heu fressen. Da fiel mir dann auch Natan’s Satteldruck auf. Ich hatte demnach die Packtasche ungleichmässig bepackt.
Glücklicherweise gab es durch die Wolken etwas Sonnenschein (es gab kein Festzelt). Mit der Zeit wurde es jedoch schon etwas kühler. 17 Uhr kam und ging und noch waren keine Resultate bekannt. Es wurde langsam Kühl (16 Grad!) und die Sonne verzog sich hinter den Wolken. Auch nach 18 Uhr gab es keine Aussicht auf Resultate. Mittlerweilen war ich mit dickem Pullover und Jacke bekleidet und schlotterte vor mich hin. Endlich, kurz nach 19 Uhr gab’s die Siegerehrung. Wir waren ex aequo auf dem 7. Rang – da wir den schlechteren POR hatten ging also der 8. Rang an uns. Ich war sehr zufrieden, schliesslich war dies gerade noch in der ersten Hälfte! Die Preise waren sehr schön und wir konnten eine schöne schwarze Abschwitzdecke von Felix Bühler einpacken. Schnell verluden wir Natan und fuhren die zweistündige Route wieder nach Hause. Natan hatte eindeutig genug von dem langen Tag – er stürmte zu Hause aus dem Anhänger heraus und wollte nicht mal mehr stillstehen zum Transportgamaschen abziehen. Beim Hufe auskratzen stürmte er so umher, dass er auf die Vorderknie hinfiel und beim aufspringen beinahe den Kopf angeschlagen hätte. Stürmisch schleifte er mich dann am Halfter in den Stall, wo sein Futter auf ihn wartete.

Im Nachhinein muss ich sagen, es war gut mal eine Horizonterweiterung zu erleben. Aber ich glaube nicht, dass wir noch allzu viele TREC bestreiten werden. Ich neige dazu sehr nervös zu sein bei Turnieren (und sei es „nur“ ein Gymkhana). Wenn da noch künstlich Stress erzeugt wird (Karten übertragen, Karten lesen, ausrechnen während dem reiten, mal hüü mal hoo) dann wird das ganze nur noch schlimmer. Am Abend waren Natan und ich total kaputt – vor allem psychisch. Natan konnte es nicht verstehen, dass wir im Gelände immer solche Temposprünge machen mussten. Er drückte auch während dem Ritt seinen Unmut aus, indem er am Zügel zerrte, Kopf schüttelte und Hilfen nicht mehr annahm. Ich habe das Gefühl Natan war nach dem Ritt schlichtweg sauer auf mich. Tsja, nicht jede Disziplin liegt jedem Reiter und Pferd gleichviel, das mussten wir an diesem Tag wohl lernen.
 



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